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Ratgeber · IPA · Pflegeprozess · Fachgespräch · OdASanté

IPA FaGe vorbereiten: Pflegesituation, Doku, Fachgespräch

·8 Min Lesezeit

Kurzfassung: Die IPA (Individuelle Praktische Arbeit) ist der praktische Teil des FaGe-QV und findet im Lehrbetrieb statt — in der Regel 1 Arbeitstag (8–9 h) mit einer Pflegesituation aus deinem Alltag, beobachtet von zwei Expert:innen der kantonalen Prüfungskommission. Bewertet wird gemäss OdASanté-Raster in 4 Bereichen: Pflegeprozess, Fachkompetenz, Sozial-/Selbstkompetenz, Dokumentation. Abschluss: 30–60 min Fachgespräch.

Was ist die IPA?

Die IPA ist deine praktische Abschlussprüfung — anders als die schriftliche Berufskenntnisprüfung kannst du sie nicht 'auswendig' bestehen. Du musst eine komplexe Pflegesituation eigenständig planen, durchführen, dokumentieren und reflektieren. Zwei Expert:innen (deine Berufsbildner:in plus eine externe Fachexpert:in, oft dipl. Pflegefachperson HF/FH) beobachten dich und führen am Schluss ein Fachgespräch.

Die IPA macht je nach kantonaler Regelung etwa die Hälfte deiner QV-Gesamtnote aus. Wichtig: Bei nicht bestandener IPA gilt das gesamte QV als nicht bestanden, auch wenn die schriftliche Prüfung bestanden wurde.

Schritt 1: Pflegesituation wählen

Die Wahl der Pflegesituation entscheidest du gemeinsam mit deiner Berufsbildner:in — frühzeitig, idealerweise 4–6 Wochen vor dem IPA-Termin. Gute Pflegesituationen sind:

  • Ausreichend komplex — mehrere Pflegediagnosen, anspruchsvolle Kommunikation, mindestens eine delegierte medizinaltechnische Verrichtung (Insulin s.c., Verbandwechsel, Vitalwerte-Verlauf bei instabilem Patient)
  • Deinem Kompetenzstand angemessen — nicht überfordernd (instabile palliative Phase), aber auch nicht trivial (reine Grundpflege)
  • Am Prüfungstag realistisch durchführbar — Patient:in muss verfügbar und stabil sein, Lehrbetrieb muss Material + Ressourcen bereitstellen können
  • Mit Pflegemodell-Bezug — die Situation muss sich strukturiert nach AEDL/ATL planen lassen

Vermeide: reine Mobilisations- oder Wäsche-Situationen (zu wenig komplex), akute Notfälle (zu unkontrollierbar), Patient:innen, die du noch nie betreut hast (zu unbekannt).

Schritt 2: Vorbereitungsdossier erstellen

Vor der IPA erstellst du ein schriftliches Vorbereitungsdossier — die genaue Form regelt deine kantonale Prüfungskommission. Typische Pflichtelemente:

  • Anamnese mit Pflegerelevanten Daten (Diagnosen, Vorgeschichte, Sozialanamnese, Allergien, aktuelle Medikation)
  • Pflegeprozess in 6 Schritten: Information → Probleme/Ressourcen (PESR-Format) → SMART-Pflegeziele → geplante Massnahmen (wer, was, wann, wie, womit) → Durchführungsplanung → Evaluations-Kriterien
  • Theoretischer Hintergrund — welches Pflegemodell wendest du an, welche Assessment-Skalen nutzt du, welche evidenzbasierten Standards (z.B. WHO 5 Momente, Braden-Skala)
  • Rechtliche Grundlagen der gewählten Verrichtungen — GesBG bei medizinaltechnischen Massnahmen, BetmKV bei Betäubungsmitteln, KVG/KLV bei Dokumentation
  • Risikoanalyse — was könnte schief gehen, wie reagierst du

Sprache: sachlich, vollständig, mit Quellenangaben (Lehrmittel, Pflegeplan, Verordnung). Subjektive Wertungen sind tabu — Patient:innen haben Einsichtsrecht nach DSG Art. 25.

Schritt 3: Durchführung am IPA-Tag

Der IPA-Tag dauert in der Regel 8–9 Stunden, mit folgender typischer Struktur (kantonal variabel):

  • Übernahme (30 min): Rapport vom Vor-Dienst, Akteneinsicht, kurze Patientenbegrüssung
  • Vorbereitung (60 min): Material, Medikamente kontrollieren, Pflegeplan finalisieren
  • Durchführung Pflegesituation (3–5 h): die gewählte Pflegesituation umsetzen, beobachtet von den Expert:innen
  • Dokumentation (60 min): Verlauf, Veränderungen, Reflexion in der Pflegeakte
  • Fachgespräch (30–60 min): Expert:innen fragen Begründungen, Reflexion, rechtliche Grundlagen ab

Wichtig während der Durchführung:

  • WHO 5 Momente der Händedesinfektion lückenlos demonstrieren — die Expert:innen zählen mit
  • 6-R-Regel bei jeder Medikamentengabe laut explizieren ('richtiger Patient: X, richtiges Medikament: Y …')
  • Vitalwerte sofort dokumentieren, nicht aus dem Gedächtnis nachtragen
  • Bei Unsicherheit lieber kurz die Pflegefachperson fragen als improvisieren — das ist Stärke, nicht Schwäche
  • Mit der Patientin/dem Bewohner sprechen wie sonst auch — nicht 'für die Prüfung' anders

Schritt 4: Fachgespräch meistern

Das Fachgespräch ist der Teil, den viele Lernende am meisten fürchten — und gleichzeitig der Teil, in dem du klare Punkte holen kannst, wenn du gut vorbereitet bist. Typische Fragen:

  • Begründungen: 'Warum hast du den Verbandwechsel mit Alginat statt Hydrokolloid gemacht?' → Bezug auf TIME-Konzept + Wundphase
  • Alternativen: 'Wie hättest du anders entscheiden können, und warum hast du dich dagegen entschieden?' → strukturiertes Abwägen
  • Reflexion: 'Was würdest du das nächste Mal anders machen?' → Was? Warum? Was nun? — keine Schuldzuweisung, sondern Lernpotenzial
  • Rechtliche Grundlagen: 'Welche rechtlichen Grundlagen waren bei der Insulinverordnung relevant?' → GesBG Art. 16, HMG, 6-R-Regel
  • Verschlechterungs-Szenarien: 'Wenn der Patient während deiner Pflege plötzlich blass wird und über Brustschmerz klagt — was tust du?' → ABCDE, NEWS2, ISBAR an Pflegefachperson

Tipp: bereite pro Pflegehandlung 2–3 Sätze vor — 'warum mache ich das so?' Wenn die Expert:innen fragen, hast du eine strukturierte Antwort statt Stammeln.

Bewertungsraster — die 4 Bereiche

Bewertet wird gemäss OdASanté-Raster in 4 Bereichen (Gewichtung kantonal variabel):

  • Pflegeprozess — Anamnese-Qualität, SMART-Ziele, plausibler Massnahmenplan, sinnvolle Evaluation
  • Fachkompetenz — korrekte Pflegetechnik, lückenlose Hygiene, sichere Medikamentengabe, korrekte Anwendung von Assessment-Skalen
  • Sozial-/Selbstkompetenz — Beziehungsgestaltung mit Patient:in, Kommunikation mit Team und Angehörigen, Reflexionsfähigkeit
  • Dokumentation — Vollständigkeit, sachliche Sprache, Nachvollziehbarkeit, Quellenangaben

Bestehensgrenze: Note 4 in jedem Bereich, Note 4 als Gesamtnote — kein Bereich darf eine ungenügende Note bekommen, sonst gilt die IPA als nicht bestanden.

Typische Stolpersteine

  • SMART-Ziele unklar — 'Bewohnerin soll gut schlafen' statt 'Frau X schläft bis 25.6. mindestens 6 h durchgehend, dokumentiert via Schlafprotokoll'
  • WHO 5 Momente vergessen — Handschuhe ohne vorgängige Händedesinfektion anziehen ist einer der häufigsten Hygiene-Punktabzüge
  • Pflegehandlung ohne Begründung — 'mache ich halt so' ist im Fachgespräch fatal. Jede Handlung braucht einen Bezug zu Pflegemodell, Standard oder Verordnung
  • Reflexion als Selbstkritik — 'ich war zu langsam, das war schlecht' → stattdessen strukturiert: 'Was? Ich brauchte länger als geplant. Warum? Die Vorbereitung war unklar. Was nun? Beim nächsten Mal vorbereite ich Material schon am Vortag.'
  • Doku-Sprache subjektiv — 'Bewohnerin ist zickig' (Datenschutzverletzung!) statt 'Bewohnerin lehnt Körperpflege ab, äussert „lassen Sie mich in Ruhe"'
  • Zeitmanagement — keine Pufferzeit eingeplant, am Schluss hetzig dokumentiert. 60 min Dokumentation einrechnen, lieber 10 min frei als 10 min zu kurz

Auf FaGefit theoretisch vorbereiten

FaGefit kann die IPA-Durchführung nicht ersetzen — die übst du im Lehrbetrieb. Aber alle theoretischen Grundlagen, die du in der IPA brauchst, sind auf FaGefit übungsbar:

Wer diese Themen sicher beherrscht, geht ins Fachgespräch mit ruhigem Bauch — die Experten-Fragen sind dann antizipierbar.

Quellen

Zugegriffen am 2. Juni 2026. Falls eine Quelle aktualisiert wurde, schreibe uns auf info@gymihelfer.ch.

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