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FaGefit
GesBG · Berufsgeheimnis · Ethik · Patientenverfügung

HKB A — Professionalität, Berufsidentität und Kommunikation

HKB A Professionalität und Berufsidentität ist der Rahmen, in dem jede FaGe-Tätigkeit stattfindet — die rechtlich-ethische Grundlage deines Berufs. Geprüft werden konkret das Gesundheitsberufegesetz GesBG (Art. 16: Sorgfalts- und Meldepflicht, Berufsausübung nach anerkannten Regeln), das Berufsgeheimnis nach StGB Art. 321 (keine Weitergabe von Patientendaten ohne Einwilligung), Patientenverfügung und Vertretungsberechtigte nach ZGB 370–373, KESB-Massnahmen (Beistandschaft, fürsorgerische Unterbringung nach ZGB 426) und die ethischen Kodexe (SBK-Ethik-Kodex, ICN-Kodex).

Besonders prüfungsrelevant: die Kompetenzgrenze FaGe vs. dipl. Pflegefachperson HF/FH. Grundpflege machst du eigenständig, Behandlungspflege nur delegiert mit Kompetenznachweis, i.v.-Therapie und Triage sind dir nicht erlaubt. Und: 'Ich habe nur ausgeführt' entlastet nicht — FaGe trägt Mitverantwortung für eigenes Handeln (GesBG 16).

Auf FaGefit übst du an realistischen Ethik-Dilemmas: Schweigepflichtverstoss im Spital-Cafeteria, gültige Patientenverfügung mit 'keine Reanimation' bei kollabiertem Bewohner, Vertretungsreihenfolge bei nicht-verheiratetem Lebenspartner. Jede Aufgabe mit Verweis auf den korrekten Rechtsartikel.

Das musst du können

  • GesBG Art. 16: Sorgfaltspflicht, Meldepflicht, Berufsausübung nach anerkannten Regeln
  • Berufsgeheimnis StGB Art. 321: kein Datenfluss an Aussenstehende, im Team erlaubt
  • Patientenverfügung ZGB 370–373: gültige PV ist bindend — auch bei 'keine Reanimation'
  • Vertretungsreihenfolge: Ehepartner > Nachkommen > Eltern > Geschwister
  • KESB-Massnahmen: Beistandschaft, fürsorgerische Unterbringung (ZGB 426)
  • Kompetenzgrenze FaGe vs. dipl. Pflege HF: was darfst du, was nicht
  • SBK/ICN-Ethik-Kodex: 4 Grundpflichten der Pflege
  • Strukturierte Reflexion (Was? Warum? Was nun?) statt Schuldzuweisung

Beispielaufgaben

6 Aufgaben aus dem Archiv
Aufsatz / FreitextNiveau 4/5

Situation:

Persönliche Angaben Sie arbeiten im Spitex-Team. Eine Klientin, Frau Häfliger, 82 Jahre alt, lebt allein zu Hause mit täglicher Spitex-Versorgung.

Lebensgeschichte Frau Häfliger leidet an einer beginnenden Demenz, ist aber rechtlich noch nicht entmündigt. Ihre Tochter wohnt weit weg.

Pflegesituation Im Team kommt es zu einem Konflikt: Ihre Kollegin Sandra erzählt im Pausenraum vor allen, dass sie Frau Häfliger heute Morgen ungewaschen vorgefunden habe und 'die Spitex sich ja gleich auflösen kann, wenn jeder so faul ist wie der Frühdienst'. Sie wissen, dass im Frühdienst Ihre Berufskollegin Tanja war, die wegen einer akuten Erkrankung gestern viel früher als geplant nach Hause musste und die Übergabe nicht vollständig abgeben konnte.

Medizinische Diagnosen

  • beginnende Demenz
  • arterielle Hypertonie

Aufgabe: Beschreiben Sie in einem zusammenhängenden Text (4–6 Sätze) drei professionelle Verhaltensweisen, wie Sie in dieser Konfliktsituation reagieren. Begründen Sie jede Verhaltensweise.

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KurzantwortNiveau 3/5

Situation:

Persönliche Angaben Frau Edith Marchesi ist 58 Jahre alt und wohnt mit ihrem Mann in einer Mietwohnung. Sie wird seit kurzem von der Spitex einmal pro Woche zur Medikamentenkontrolle besucht.

Lebensgeschichte Frau Marchesi arbeitet als Verkäuferin. Vor zwei Jahren wurde eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Sie hat zwei erwachsene Kinder.

Pflegesituation Frau Marchesi nimmt seit drei Monaten täglich Brufen® 600 mg gegen die Gelenkschmerzen. Heute klagt sie über Magenbrennen, das vor allem nüchtern auftritt. Sie fragt Sie, warum sie zusätzlich auch noch Pantozol® nehmen muss.

Medizinische Diagnosen

  • rheumatoide Arthritis (2024)
  • arterielle Hypertonie (2020)

Medikamentöse Behandlung

MedikamentMorgensMittagsAbendsNachts
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Brufen® Tbl. à 600 mg (Ibuprofen, NSAR)11
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Pantozol® Tbl. à 40 mg (Pantoprazol, PPI)1
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Methotrexat® 15 mg s.c.1× wöchentlich
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Folsäure® Tbl. à 5 mg1× wöchentlich (am Tag nach MTX)
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Reniten® Tbl. à 10 mg (Enalapril)1

Aufgabe: Erklären Sie Frau Marchesi in einer FaGe-gerechten Begründung (2–3 Stichworte/Halbsätze), warum sie zusätzlich zu Brufen® auch Pantozol® einnehmen soll.

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KurzantwortNiveau 3/5

Situation:

Persönliche Angaben Frau Hanna Neeser ist 78 Jahre alt und lebt in einer betreuten Wohnform. Sie wird täglich von der Spitex begleitet.

Lebensgeschichte Frau Neeser ist herzgesund, hat aber eine arterielle Hypertonie. Sie steht oft schnell auf.

Pflegesituation Während Sie Frau Neeser am Morgen aus dem Bett aufstehen lassen, sackt sie nach wenigen Sekunden im Stehen plötzlich zusammen. Sie ist kurz nicht ansprechbar, dann wacht sie auf, fühlt sich übel und schwach. Puls regelmässig, Atmung normal.

Medizinische Diagnosen

  • arterielle Hypertonie (2014)
  • Verdacht auf orthostatische Dysregulation

Medikamentöse Behandlung

MedikamentMorgensMittagsAbendsNachts
---------------
Reniten® Tbl. à 10 mg (Enalapril)1
------
Torem® Tbl. à 10 mg (Torasemid)1

Aufgabe: Nennen Sie vier Erst­massnahmen, die Sie bei dieser Synkope einleiten.

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Richtig / FalschNiveau 2/5

Die Unterstützung von Klientinnen und Klienten bei «Ausscheidung» ist eine Handlungskompetenz im HKB B (Pflegen und Betreuen).

RichtigFalsch
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KurzantwortNiveau 3/5

Situation:

Persönliche Angaben Frau Olga Frei ist 86 Jahre alt und lebt seit zwei Jahren im Pflegeheim Rosengarten. Sie hat eine fortgeschrittene Demenz und kann sich nicht mehr verbal äussern.

Lebensgeschichte Frau Frei war Hausfrau und hat drei Kinder. Ihr ältester Sohn, Herr Daniel Frei, kommt jeden zweiten Tag zu Besuch und ist sehr involviert.

Pflegesituation Herr Frei kommt heute am späten Nachmittag aufgewühlt zu Ihnen ans Stationszimmer und beschwert sich laut: «Mutter hat schon wieder einen blauen Fleck am Arm, das geht jetzt zu weit! Sie kümmern sich nicht richtig um sie.» Andere Bewohner und Mitarbeitende blicken zu Ihnen herüber.

Medizinische Diagnosen

  • fortgeschrittene Demenz vom Alzheimer-Typ
  • arterielle Hypertonie (2014)

Medikamentöse Behandlung

MedikamentMorgensMittagsAbendsNachts
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Exelon® Pflaster 9.5 mg/24h (Rivastigmin)1× tgl. wechseln
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Concor® Tbl. à 2.5 mg (Bisoprolol)1
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Remeron® Tbl. à 15 mg (Mirtazapin)1

Aufgabe: Nennen Sie drei Grundsätze einer professionellen Kommunikation, die Sie in dieser Beschwerde-Situation gegenüber Herrn Frei beachten.

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KurzantwortNiveau 3/5

Situation:

Persönliche Angaben Frau Beatrice Eberle ist 62 Jahre alt und arbeitet Teilzeit als Verkäuferin. Sie lebt mit ihrem Mann in einer Mietwohnung.

Lebensgeschichte Frau Eberle wurde vor einem Monat neu mit Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert. Sie ist motiviert, mehr über ihre Erkrankung und die Selbstkontrolle zu lernen.

Pflegesituation Sie führen heute mit Frau Eberle ein Beratungsgespräch zur Blutzucker-Selbstkontrolle. Sie hat ein Messgerät bekommen, weiss aber noch nicht genau, wann und wie oft sie messen soll.

Medizinische Diagnosen

  • Diabetes mellitus Typ 2 (2026, Erstmanifestation)
  • arterielle Hypertonie (2020)
  • Adipositas Grad I

Medikamentöse Behandlung

MedikamentMorgensMittagsAbendsNachts
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Metformin® Tbl. à 500 mg11
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Reniten® Tbl. à 10 mg1

Aufgabe: Nennen Sie drei Inhalte, die Sie Frau Eberle zur Blutzucker-Selbstkontrolle vermitteln.

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Häufig gefragt

Darf ich mit Kolleg:innen im Lift über einen Patienten sprechen?

Nein. Das ist Verstoss gegen StGB Art. 321 (Berufsgeheimnis), auch wenn niemand sichtbar zuhört — der Lift ist öffentlich, Angehörige oder andere Patienten können mithören. Information im Behandlungsteam (Rapport, Übergabe) ist erlaubt und nötig. Information gegenüber Aussenstehenden — auch Familie ohne Einwilligung — ist verboten und kann zu Disziplinarverfahren führen.

Was tue ich, wenn ein Bewohner mit gültiger Patientenverfügung 'keine Reanimation' kollabiert?

Du startest keine BLS, weil die gültige Patientenverfügung bindend ist (ZGB Art. 372). Sofortige Massnahmen: Arzt informieren, Bewohner würdig lagern, Angehörige benachrichtigen. Der häufige Reflex 'im Zweifel pro Leben' führt zu Rechtsverstoss und ist klar falsch. Wichtig: Du musst die PV vorher im KISIM/Akte verifizieren — bei unklarer Rechtslage entscheidet der Arzt.

Wer entscheidet, wenn der Patient nicht entscheidungsfähig ist?

Reihenfolge nach ZGB 378: 1) gesetzliche Vertretung in medizinischen Angelegenheiten (z.B. KESB-Beistand), 2) bezeichnete Person in Patientenverfügung, 3) Ehepartner/eingetragener Partner mit gemeinsamem Haushalt, 4) Personen mit gemeinsamem Haushalt + regelmässigem Beistand, 5) Nachkommen, 6) Eltern, 7) Geschwister. Lebenspartner ohne Trauschein nur bei gemeinsamem Haushalt.

Bin ich rechtlich geschützt, wenn ich Anweisungen befolge, die später falsch waren?

Nein, nicht vollständig. Du trägst Mitverantwortung für dein Handeln (GesBG 16). Wenn dir eine Anweisung erkennbar falsch oder gefährlich erscheint (z.B. doppelte Insulindosis), musst du nachfragen — 'ich habe nur ausgeführt' entlastet dich nicht. Die fachliche Verantwortung für die Verordnung liegt beim Arzt, aber du musst die 6-R-Regel anwenden und plausibilitätsprüfen.

Was ist Meldepflicht bei Kindswohlgefährdung für FaGe?

Nach ZGB 314c ist die Meldung an die KESB für FaGe eine Berechtigung, keine Pflicht (Pflicht trifft nur Personen mit amtlicher Funktion wie Lehrpersonen). Du darfst und solltest aber bei begründetem Verdacht melden — gemeinsam mit Vorgesetzten und nach interner Eskalationskette. Dokumentation der Beobachtungen ist Pflicht.